10) Der nie verschickte Brief

Am 10. Juni 2009 erschien in der italienischen Tageszeitung «Corriere della Sera» ein recht kurzer Artikel von Dino Messina, kurz, aber er hat es in sich:
 
«Heute publizieren die kulturellen Seiten von „Avvenire“ einen langen Bericht von Antonio Airò über die vom Ambrosianeum in Mailand organisierte Tagung über Papst Pius XI.
Airòs Artikel beginnt mit der Meldung über die Auffindung eines Dokumentes in den Archiven der Stiftung für religiöse Studien in Bologna, in welchem die entschiedene Ablehnung der Rassengesetze zum Ausdruck gebracht wird.
„Das entschiedene ‚Nein‘ zu den von Mussolini gewollten Rassegesetzen – schreibt Airò – wurde in einem Brief geäussert, den Kardinal Pacelli, der künftige Pius XII., im Sommer 1938 im Namen des Papstes geschrieben hatte, um ihn persönlich dem Duce [Mussolini] auszuhändigen.“ Der Brief wurde nie abgeschickt.
Diese lapidare Notiz, über die wir Genaueres erfahren möchten, lässt einen Artikel wieder aktuell werden, in welchem ich am 19. September letzten Jahres den Kontrast zwischen Pius XI. und dem künftigen Pius XII. darlegte. Ich veröffentliche ihn hier bei dieser Gelegenheit erneut:»
 
Dieser hat es nicht weniger in sich: siehe >“Wie Pacelli Pius XI. zensurierte“
 
Zuvor aber noch eine Bemerkung zu obigem:
„Avvenire“ ist eine (sehr) katholische Tageszeitung, und wenn sie so etwas bringt, muss es wohl wahr sein; da nun mal das Dokument wieder aufgefunden und von einer unabhängigen Historikerin an der Tagung vorgestellt wurde, kann man es schlecht wieder in den Archiven verschwinden lassen.
 
Mag sein, dass „Avvenire“ – sich seiner Brisanz bewusst – es bewusst an den Anfang stellte, um ihn unverdächtig erscheinen zu lassen, in der Hoffnung also, die Leser würden nur das „entschiedene Nein“ zu den Rassengesetzen (von Seiten „der Kirche“ natürlich; ja den Brief hat sogar Pacelli geschrieben! …) lesen und dabei das in „Avvenire“ in einem Nebensatz bemerkte: „Der Brief, der nie abgeschickt wurde, …“ so quasi überlesen – jedenfalls niemals den „völlig absurden“ Schluss daraus ziehen, Hochwürden Pacelli selber könnte es gewesen sein, der den Brief zurückhielt.
 
Hat denn Dino Messina vom „Corriere della Sera“ das je gesagt? Nein, es fällt ihm bei dieser Gelegenheit nur jener Artikel wieder ein, in welchem er „den Kontrast zwischen Pius XI. und dem künftigen Pius XII.“ darlegte … es liegt ihm wie mir also fern, Pius XII. anschwärzen zu wollen, das tun die Dokumente schon selber.
Und nicht nur die beiden hier vorgestellten, so dass es bei weitem keine „wilden Spekulationen“ sind, sondern die wahrscheinlichste Schlussfolgerung.
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