08) Mussolini gegen Pius XI.

Mussolini - der "Duce"Auch von der Rede, die Mussolini im September 1938 in Triest hielt, wird vielfach angenommen, seine Schlusssätze seien gegen Pius XI. gerichtet.

Nachdem er sich über die Notwendigkeit der „Massnahmen zur Reinhaltung der Rasse“ ausgelassen hat, beendet er seine Rede mit:

« … eine Politik der Separation …, ausgenommen der Fall, die Semiten jenseits wie diesseits der Alpen, und vor allem deren improvisierte und unerwartete Freunde, die sie von allzuvielen Kanzeln herab verteidigen – ausser diese würden uns zwingen, unseren Kurs radikal ändern zu müssen.»

Hier in diesem Video ist es im Originalton zu hören, ganz am Ende:« … nei loro confronti una politica di separazione – a meno che i Semiti d’oltrefrontiera e quelli dell’interno, e soprattutto i loro improvvisati e inattesi amici che da troppe cattedre li difendono, non ci costringano a mutare radicalmente cammino.»

Das „von allzuvielen Kanzeln“ darf man gewiss nicht mit der Kirche als Ganzes gleichsetzen; gewiss auch war Pius XI. nicht der einzige, ich weiss nicht, wieviele Kirchenleute es gewesen sein mögen, die für die Juden eintraten.*
Gleichermassen gewiss ist jedoch, dass die Mehrheit (?), zumindest aber viele der einflussreichsten Prälaten in der römischen Kurie nicht dazu zu zählen sind – diese waren zu beschäftigt damit, die Rassengesetze zu verteidigen.

Auch dass dies sonst ganz und gar nicht der Stil der Kirche war, beweist Mussolinis „deren improvisierte und unerwarteten Freunde“; man war sich eine Verteidigung der Juden von Seiten der Kirche – weder von den Kanzeln noch aus der katholischen Presse – ganz und gar nicht gewohnt, ganz im Gegenteil.

Was mich aber fast am meisten getroffen hat, sind seine letzten Worte: „ausser diese würden uns zwingen, unseren Kurs radikal zu ändern.“ Ist es damnach – wie ich mir sicher bin – wirklich möglich, dass, hätte sich die Kirche geschlossen gegen die Judenverfolgungen gestellt, nicht nur Mussolini, sondern auch sein Freund jenseits der Alpen seinen Kurs radikal hätte ändern müssen?

In der Tat hielten in jenen Tagen fast alle italienischen Bischöfe Homelien gegen das Regime und gegen den Rassismus. Der Bischof von Triest, Antonio Santin, verwehrte gar Mussolini den Zutritt zur Kathedrale, falls er seine Invektiven gegen den Papst nicht widerrufe. (Santin war auch der einzige italienische Bischof, der persönlich bei Mussolini in Rom zugunsten der Juden vorsprach, womit er nebenbei den vollen Lob Pius‘ XI. erntete.)

* Einer von diesen ist Kardinal Ildefonso Schuster, der im November 1938 im Dom zu Mailand verkündete: „Der Rassismus stellt eine nicht geringere internationale Gefahr dar als der Bolschewismus“.
Der damalige Abt Schuster war auch jener, der 1928 dem Antrag der „Amici Israel“ zustimmte, das „perfidis“ in der Karfreitagfürbitte zu streichen – und er wurde bald darauf von Pius XI. erst zum Erzbischof und dann zum Kardinal ernannt.

Etwas über Mussolini sagt uns auch dieser gegen Pius XI. gerichtete Affront (Pius XI. bemerkte ja, ob es denn nötig sei, Deutschland nachzuahmen) – und Mussolini darauf:
„Jene, die uns glauben machen wollen, wir seien Imitationen oder, schlimmer noch, Einredungen gefolgt, sind erbärmliche Idioten.“

(„Coloro i quali fanno credere che noi abbiamo obbedito a imitazioni, o peggio a suggestioni, sono dei poveri deficienti.“) „Poveri deficienti“ ist etwas schwierig zu übersetzen, es tönt aber keinen Jota weniger beleidigend als eben „erbärmliche Idioten“;“Schwachsinnige“ vielleicht, aber „deficiente“ ist sogar fast noch ein klein wenig beleidigender.
Pius XI. habe darauf nichts dergleichen getan.

Über den „Krieg“, der offenbar zwischen Pius XI. und Mussolini mehr oder weniger offen ausgetragen wurde, weiss ich noch zu wenig – werde es nachtragen, sobald ich auf etwas Interessantes stossen sollte.

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